Familie

Wir sechs von hier



Wir sechs sind
Elias, der inzwischen die Grundschule unsicher macht,
Paula, die es zwischen Kind und Jugendlicher nicht immer leicht hat,
Felix, der als Jugendlicher beneidenswerterweise „die Ruhe weg hat“,
Lucas, der bald nach der „Reifeprüfung“ seinen eigenen Weg gehen wird,
Martina, die in unserem ganz normalen Chaos den Überblick behält und mit Liebe und Ruhe den ganzen Laden zusammenhält, und
Stephan, der nicht viel weniger Blödsinn macht, als die Kinder.
Aber er ist wie seine Frau
von hier.

 

Geschichte

Die Haverländer sind keine Ur-Soester Familie. Die ersten Mitglieder der Familie Haverland kamen im 15. Jahrhundert nach Soest und arbeiteten hier seither vorwiegend als Handwerker. Der erste war Gert Haverland. Er ließ sich 1425 zusammen mit seinen Söhnen Johann und Hinrich in Soest einbürgern. Woher Gert und damit die Familie stammt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Da Soest in dieser Zeit in sehr engem Kontakt mit den nördlichen Hansestädten stand, könnte der Ursprung im Norden Deutschlands liegen. Diese Vermutung lässt sich durch die Existenz zahlreicher erhaltener Lübecker Bürgertestamente aus dem 14. Jahrhundert belegen, in denen der Name Haverland erwähnt wird. Dabei erscheint der Name Haverland auch mehrfach als Erblasser, wobei die Größe des vererbten Vermögens und die Umstände auf eine insgesamt wohlhabende Kaufmannsfamilie schließen lassen.

Die Nachkommen von Gert und Hermann Haverland, der 1438 ebenfalls Soester Bürger wurde, bilden heute in Soest eine weit verzweigte Großfamilie.

Ein Familienzweig war seit dem 17. Jahrhundert fest mit dem Bäckerhandwerk verbunden. Dabei spielte ein Backwerk eine ganz besondere Rolle, das westfälische Schwarzbrot: der Pumpernickel.

Diese Familienlinie geht auf Jörgen Haverland zurück, der in Soest als Bäcker und Richtmann in der Osthofe lebte. Ihm folgten in den nächsten Generationen Jörgen, Augusting, Georg, Wilhelm, Hermanus, Herrmann, Heinrich, Wilhelm, Wilhelm. Alle lebten in Soest als Bäcker, teils in der Hohne, teils in der Wiesengemeinde.

Das Ende findet diese Reihe von Bäckern beim letzten Besitzer der Pumpernickelbäckerei am Soester Markt, der sich aus wirtschaftlichen Gründen vor einigen Jahren aus dem Unternehmen zurückgezogen hat.

Jörgen Haverland (*1570 + nach 1659), Jörgen Haverland (*1600 + nach 1670), Augusting Haverland (*1625 +1686), Georg Haverland (*1681 +1703), Wilhelm Haverland (*1701 +1757), Hermann Haverland (*1733 +1780), Hermann Haverland (*1771 +1819), Heinrich Haverland (*1806 +1894), Wilhelm Haverland (*1850 +1947), Wilhelm Haverland (*1891 +1943), Hellmut Haverland (*1929), Jochen Haverland (*1954)

Auch wenn bis dahin stets der Sohn dem Vater im Bäckerhandwerk folgte, darf man sich dies nicht als Familienunternehmen vorstellen, das mit festem Platz in Soest von einer Generation an die nächste übergeben wurde. Erst seit Wilhelm Haverland hatte die Bäckerei ihren festen Standort am Markt in Soest. Vorher wechselten die Standorte dieser Familienlinie regelmäßig. Dies geschah schon deshalb, weil die Linie nicht aus den ältesten einer Generation besteht. So erlernte z. B. Hermann Haverland (*1771+1819) zwar das Handwerk bei seinem Vater (der übrigens auch Hermann hieß und Bäcker in der Thomästraße war), die väterliche Bäckerei erbte aber sein älterer Bruder Wilhelm. Hermann dagegen gründete seinen eigenen Betrieb in der Osthofenstraße auf der Zollbrücke. Allerdings hatte er dadurch zwar die Familientradition bewahrt (denn die Bäckerei seines Vaters in der Thomästraße überlebte die nächste Generation nicht), aber sein Glück hat er damit wohl nicht gemacht. Er verfiel dem Alkohol, wie sein Sohn Heinrich Haverland (*1806+1894) mit einer Eintragung in die Familienbibel überliefert hat:

An den 1ten November 1806 bin ich geboren, wo die ersten Franzosen nach Soest gekommen und alles in Angst u. Schreken gewesen ist, meine Eltern haben leider nicht in glücklicher Ehe gelebt, den mein Vater hatte sich einem bösem Trunk ergeben, wovon ihn meine Mutter zurückhalten wolte, u ist dan oft vom Vater schreklich mißhandelt worden das sie einander das Leben verkürzten, den meine Mutter ist nur 38 Jahr alt geworden, sie war sehr sparsam u fleißig sie wolte gern vorwärts weil unser vier Kinder waren, doch das rührte das rührte den Vater nicht, ich hatte schrekliche Auftrite erleben müssen das die Mutter oft des Nachts nicht ins Bett gekommen u. dadurch am Nervenfiber gestorben, ich glaube das dies einfluß auf mein Gemüth gehabt. Darnach kam Vaters Schwester zu uns die Haushaltung zu führen, doch nicht von dauer den der Vater verfil immer mer in den Bösen Trunk und wir würden sicher ganz verarmt wenn nicht Vater schon 1 1/2 Jahr nach Muters tode gestorben wäre an der galopirende Schwinsucht, meine Geschwister waren noch zu jung um den verlust der Eltern zu fühlen doch ich war schon beinahe 12 Jahr alt(s) ich vom Vormund und Tante hörte wir Kinder müßten ins Weisenhaus den vermögen war bitter wenig, doch als die Noth am größten war Gott am nächsten unser Vaters Brudersohn der schon früher bei unseren Eltern als Gehülfe war kamals schwerverwundeter aus den Befreiungs Krige und erbot sich unser Geschäft mit und Kindern bis zu meiner Großjährigkeit zu übernemen u. auch bei Gericht genemigt wurde, doch waren wir noch in schlimmer Lage den den dem Vetter sein Fuß war noch lange nicht geheilt, ob schon ihm die Kugel entfernt war und zugeheilt brach die Wunde alle 4 oder 5 Wochen wider offen mit großen Schmerzen deshalb muß er das Geschäft durch Gehülfe betreiben lassen was das Geschäft nicht abwarf, im ganzen hat er 5 Jahre daran Laborirt dadurch wurde unser Vetter seine Uebernemung leid und wolte seine Verflichtung los doch das Gericht wolte hiervon nicht wissen. Doch weil er Invalit war und Versorgungs Berechtigt bemüthe er sich um einen Posten und wurde Brennereiaufseher in Erwite und schickte uns einen Gesellen, die alte Tante Vatersschwester verliß uns auch dafür schickte unser Vormund eine Frau als Haushälterin die so sehr den Brantwein ergeben war, ihre enschuldigung war für die Gänse nicht gebrant und wie wir das erst wußen den war die Entschuldigung sie hätte sich so ärgern müßen, unser Vetter in Erwitte konte auch nicht wie er versprochen von seinem Gehalt für unsern Gehülfen den Lohn nicht geben, und bei aller Sparsamkeit u Dürftigerlebensarth, konten wir die Zinsen am Waisenhaus u sonstigen Abgaben nicht Bezahlen, das war eine schlimme Zeit für uns, ich habe oft bei unseren Vormund u. bei unseren Nachbarn einige Thaler Leihen müßen wen unser Gehülf eine kleinigkeit zum Geschäft gekauft hatte, in dieser Zeit hatte sich unser Vetter um einen Posten bemüth hier an der Mahl u Schlachtsteuer, frlich nur der gering Posten 12 1/2 Thaler Monatlich und mussten darum die Weisbrod Bäkerrei aufgegeben doch besserte sich unsere Lage, den die Haushalterin wurde Entlassen den meine älteste Schwester konte jetzt schon notdürftig Essenkochen u auch der Geselle, doch nach ein par Jahre wurde hir die Axise aufgehoben u. unser Vetter wurde nach Dortmund versetzt, wir mussten wieder Gesellen annemen bis in Dortmund die Axise auch aufhörte, nach dieser Zeit Heiratete mein Veter unsere Muttersschwester nun wurde meine älteste Schwester nach Arnsberg vermitet und ….. sich auch nachher Verheiratete mein Bruder war nun auch schon konvyrmirt und bei einem Bäker in die Lehre getan, ich selbst war nicht gut zu missen bis mein Bruder die Lehre aus hatte, darnach kam ich bei Herm Schürhof als Gesell das ich aber nicht lange aushilt den ich verfil in schweres Nerfenviber so das keiner an meinem Aufkommen geglaubt hat, nach der Zeit bin ich nicht wider von Haus gekommen, und wen ich auch gern wolte so wurde ich ausgelacht, von meiner Schwächlichkeit, doch weil wir alle Arbeiten konten und fleißig waren so so besserte sich unser Geschäft das sich unser Vetter und Tante was Verübrigen konnten, unser Vetter u Tante bliben auch noch nach meiner Großjährigkeit denn sie bestanden darauf ich solte erst eine Frau haben, den von einer Magt wie ich vorhatte wolten sie nichts wissen, deshalb sind sie bei uns gebliben bis ich im Dreizigsten Jahr war als ich mit meiner Frau getraut wurde und war auch noch früh genug, der Herr hat alles recht gemacht und alles alles wol bedacht gebt unsern Gott die Ehre, Heinrich Haverland d 28 Juli 1887.

Heinrich erbte die Bäckerei, brachte sie durch wirklich schwere Zeiten und legte damit den Grundstein für die nächste Generation.

In dieser Generation gab es fünf Söhne.
Der älteste war Georg (*1839 +1891). Er wanderte nach Afrika aus und arbeitete dort als Hauslehrer.
Heinrich (*1841 +1921) lebte als Bäcker, Gastwirt und Obstzüchter am Westenhellweg.
Hermann (*1845 +1870) war drei Jahre beim Militär, bevor er während des Deutsch-Französischen Krieges im Feldlazarett an Typhus starb.

Friedrich (*1848 +1925) erbte die Bäckerei auf der Zollbrücke von seinem Vater, konnte sie aber leider nicht in die nächste Generation weitergeben, da er kinderlos starb.

Wilhelm (*1850 +1947) kaufte das Haus am Markt und gründete das heute noch bestehende Unternehmen der Pumpernickelbäckerei.

 

 

 

Die Hausmarke der Familie Haverland ist ein gleichseitiges Dreieck, auf dessen Spitze drei Kreuze nach rechts, links und oben weisen.

Diese Hausmarke erscheint zu des Beginn 17. Jahrhunderts auf drei Grabsteinen in der Kirche in Meiningsen, einem Dorf im Süden der Soester Börde.

Die links abgebildete Darstellung ist eine moderne Abwandlung des Originals.

 

Als Hausmarke bezeichnete man ursprünglich aus geraden Linien gebildete geometrische Figuren. Allmählich nahmen sie aber auch Buchstaben auf oder Buchstabenformen an, so dass die Hausmarke mit der Zeit Monogrammform bekam. Die Buchstaben wurden teilweise zur Unterscheidung der einzelnen Familienmitglieder der eigentlichen Hausmarke hinzugefügt.
Die Hausmarke ist im Mittelalter in allen Ständen anzutreffen, auch auf dem Lande. Allerdings soll sie dort nur von den freien Bauern geführt worden sein. Mit der Hausmarke musste die Handwerker ihre Erzeugnisse versehen, z.B. der Goldschmied alle seine Arbeiten, der Bäcker seine Brote usw.
Der Handwerker oder auch ein anderer Inhaber einer Hausmarke benutzte sie bei Verträgen, Prozessen etc., auch versah er seine Geräte damit oder brachte sie am Giebel an.

 

 

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